Boeing kämpft darum, dass die Klage abgewiesen wird. Der Flugzeugbauer tritt gegen Cameroon Airlines an, eine Fluggesellschaft, die vor zwei Jahrzehnten ihren Betrieb eingestellt hat. Der Rechtsstreit dreht sich um einen tragischen Absturz vor 25 Jahren. Der Fall Boeing gegen Cameroon Airlines wurde letzte Woche im Western District von Washington eingereicht.

Das Kernproblem? Ein Absturz einer Boeing 737 im Jahr 1995, bei dem 68 Menschen ums Leben kamen.

Am 3. Dezember 1997 flog Cameroon Airlines Flug 3701 von Cotonou nach Douala. An Bord befanden sich 76 Personen. Kurz vor der Landung ging etwas schief. Eine Kompressorschaufel im linken Pratt & Whitney JT8D-Triebwerk brach. Das war nicht nur ein kleiner Fehler. Es handelte sich um einen katastrophalen Ausfall einer einzelnen Motorkomponente.

Das Flugzeug stieg leicht an. Die Piloten versuchten einen Durchstart. Aber sie waren zu langsam. Das Flugzeug konnte nicht beschleunigen. Es konnte nicht klettern. Sie verloren die Kontrolle. Das Flugzeug rollte nach links, prallte gegen Bäume und stürzte etwa eine Meile von der Landebahn entfernt in Mangroven. Die Cockpitschreiber wurden bei dem Brand zerstört.

Warum der Absturz passierte

Die Ermittlungen zeichneten ein düsteres Bild. Hätten die Piloten den Triebwerksausfall schneller bemerkt, hätten sie vielleicht überlebt. Ein ordentlicher Durchstart war möglich. Aber sie haben es nicht früh genug bemerkt. Sie führten einen späten, schleppenden Abflugversuch durch. Die Geschwindigkeit ließ nach. Die Folge war ein irreversibler Geschwindigkeitsverlust.

Die Besatzung hatte kein Simulatortraining für einen Durchstart bei Motorausfall in geringer Höhe. Diese Lücke in der Ausbildung steht nun im Mittelpunkt der Klage. Cameroon Airlines behauptet, Boeing habe von diesem Risiko gewusst. Sie sagen, Boeing habe es versäumt, Alarme zu installieren, um die Piloten vor dem Stromausfall zu warnen. Sie argumentieren außerdem, dass Boeing es versäumt habe, szenariospezifische Schulungen für genau diesen Fehlermodus anzubieten.

Wenn die Piloten früher gewarnt worden wären. Wenn sie richtig ausgebildet worden wären. Möglicherweise haben sie das Flugzeug richtig konfiguriert. Sie hätten die Fluggeschwindigkeit aufrechterhalten können. Sie könnten sicher gelandet sein oder ohne Probleme einen einmotorigen Durchstart durchgeführt haben.

Was Cameroon Airlines sucht

Camair (der Nachfolger der aufgelösten Cameroon Airlines) will 179 Millionen Dollar. Diese Summe ist in bestimmte Kategorien unterteilt:

  • Kosten für Ersatzflugzeuge: 40 Millionen US-Dollar.
  • Betriebsverluste: 130 Millionen US-Dollar.
  • Reputationsschaden: 8,7 Millionen US-Dollar.

Die Fluggesellschaft argumentiert, dass Boeing für diese Schäden rechtlich verantwortlich sei. Sie behaupten, Boeings Nachlässigkeit bei Design und Schulungsunterstützung habe direkt zu den Todesfällen und dem Zusammenbruch der Fluggesellschaft beigetragen.

Boeings Verteidigung: Der Vertrag

Boeing nimmt dies nicht stillschweigend hin. Sie wollen, dass der Fall auf der Grundlage des am 17. November 194 unterzeichneten Kaufvertrags Nr. 123 blockiert wird.

Der Vertrag sieht mehrere Schutzmaßnahmen vor. Es enthält eine Bestimmung zur Rechtswahl des Staates Washington. Cameroon Airlines hat dagegen verstoßen, indem sie zunächst in Kamerun einen Antrag gestellt hat. Die Vereinbarung enthält außerdem einen umfassenden Verzicht und eine Befreiung von Gewährleistungen. Dies deckt stillschweigende Garantien, Ansprüche aus unerlaubter Handlung, Ansprüche aus Fahrlässigkeit und alle Folgeschäden ab.

Es gibt auch eine Schadensersatzklausel. Es schützt Boeing und das Personal, das an Schulungen und Wartungsunterstützung nach der Auslieferung beteiligt ist.

Nach Washingtoner Recht ist der Ausschluss stillschweigender Gewährleistungen Standard. Beschränkungen des gewerblichen Schadensersatzes sind im Allgemeinen durchsetzbar, es sei denn, sie sind unzumutbar. In der Regel sind auch Fahrlässigkeitsfreistellungen gültig. Ausnahmen gibt es bei Verstößen gegen die öffentliche Ordnung oder bei grober Fahrlässigkeit, aber die Messlatte liegt hoch.

Ist der Fall gültig?

Camair könnte versuchen zu argumentieren, dass Boeing bei der Schulung nach dem Verkauf fahrlässig gehandelt habe. Sie könnten behaupten, der Verzicht verstoße gegen das kamerunische öffentliche Recht. Doch eine staatliche Fluggesellschaft stimmte diesen Bedingungen zu. Das verkompliziert die Sache erheblich.

Selbst wenn die Klage überlebt, verschiebt sich der Schwerpunkt. Ist Boeing wirklich das Hauptziel? Pratt & Whitney lieferte den ausgefallenen Motor. Ihre Design- und Wartungsprotokolle sind möglicherweise direkter relevant als die Schulungsvorschläge von Boeing.

Auch die Aktionen der Piloten sind kaum zu ignorieren. Hat die Besatzung angemessen reagiert? Oder war ihre eigene mangelnde Vorbereitung die Hauptursache? Hier könnte Mitverschulden schwer ins Gewicht fallen.

Boeing ist zuversichtlich, dass der Vertrag Bestand haben wird. Cameroon Airlines ist der Ansicht, dass der Gerechtigkeit nicht Genüge getan wurde. Ob ein Unfall von 1995 auch im Jahr 2025 noch Bestand hat, werden die Gerichte entscheiden.