Ein kürzlicher Vorfall mit einer Boeing 767 der United Airlines hat die Untersuchungen zu einem der prekärsten Landeanflüge in den Vereinigten Staaten neu entfacht. Obwohl es keine ernsthaften Verletzungen gab, als das Flugzeug während seines Endanflugs auf die Landebahn 29 des Newark Liberty International Airport (EWR) einen Lastwagen und einen Lichtmast auf dem New Jersey Turnpike streifte, unterstreicht das Ereignis eine systemische Schwachstelle in der Infrastruktur des Flughafens.
Dieser Beinahe-Unfall ist keine isolierte Anomalie, sondern vielmehr ein Symptom eines Konstruktionsfehlers, der Flugsicherheitsexperten seit langem Sorgen bereitet. Das Kernproblem liegt in der Schnittstelle zwischen Geografie, betrieblichen Einschränkungen und der Platzierung der Infrastruktur.
Die Anatomie einer Gefahr
Die Landebahn 29 ist ein wichtiger Bestandteil des Betriebs von Newark und wird vor allem dann genutzt, wenn die Windbedingungen eine Landung aus östlicher Richtung erfordern. Es stellt jedoch einzigartige Herausforderungen dar, die ihn von den anderen Start- und Landebahnen des Flughafens unterscheiden.
- Erhebliche Längenbeschränkungen: Mit einer Länge von nur 6.725 Fuß gehört die Landebahn 29 zu den kürzesten an einem großen internationalen Drehkreuz. Bei Großraumflugzeugen wie der Boeing 767 oder dem Airbus A330 liegt diese Länge kaum über der Mindestanforderung. Folglich müssen Piloten eine Landung in der Nähe des Beginns der Landebahn anstreben, um sicherzustellen, dass sie genügend Abstand zum Anhalten haben, was einen steileren und niedrigeren Anflugweg erforderlich macht.
- Nähe zu Autobahnen: Der Anflugweg für Landebahn 29 verläuft direkt über dem erhöhten New Jersey Turnpike. Dadurch entsteht ein Szenario, in dem Verkehrsflugzeuge nur wenige Meter über dem fließenden Verkehr vorbeifliegen – eine Situation, die Befürworter der Flugsicherheit seit langem als grundsätzlich unsicher bezeichnen.
- Eingeschränkte Instrumentenführung: Im Gegensatz zu anderen Landebahnen bei EWR fehlt auf Landebahn 29 ein vollständiges Instrumentenlandesystem (ILS). Stattdessen basiert es auf RNAV-Ansätzen (Area Navigation), die Piloten bis zu einer Höhe von 490 Fuß über dem Boden führen. Unterhalb dieser Höhe wird der Anflug sichtbar, sodass die Piloten das Flugzeug ohne automatische Führung manuell für die Landung ausrichten müssen.
Die Fehlerquote ist gering: Bei der Kombination einer kurzen Start- und Landebahn, eines obligatorischen Sichtanflugs in geringer Höhe und einer großen Autobahn direkt unter der Flugbahn ist die Betriebssicherheitsmarge im Vergleich zu branchenüblichen Praktiken erheblich reduziert.
Betriebsrealitäten vs. Sicherheitsbedenken
Der Flughafen Newark ist bereits einer der am stärksten überlasteten Drehkreuze im Nordosten. Jeder Vorschlag, den Betrieb auf der Landebahn 29 einzuschränken, muss gegen den Kapazitätsbedarf des Flughafens abgewogen werden. Eine vollständige Schließung der Start- und Landebahn hätte schwerwiegende Auswirkungen auf die Flugpläne und würde die Überlastung der verbleibenden drei Start- und Landebahnen erhöhen, was möglicherweise zu größeren Verzögerungen im gesamten System führen würde.
Sicherheitsexperten argumentieren jedoch, dass Effizienz die Risikominderung nicht ersetzen kann. Während Piloten diesen Ansatz täglich erfolgreich anwenden, deutet der jüngste Vorfall darauf hin, dass die aktuelle Konfiguration zu sehr auf einer perfekten Ausführung und nicht auf robusten strukturellen Schutzmaßnahmen beruht.
Mögliche Lösungen und Debatten
Im Zuge des Vorfalls sind im öffentlichen Diskurs mehrere mögliche Abhilfemaßnahmen aufgetaucht, von denen jedoch keines ohne erhebliche Nachteile ist:
- Beschränkung von Großraumflugzeugen: Ein pragmatischer Vorschlag besteht darin, großen Großraumflugzeugen die Nutzung der Landebahn 29 für Landungen zu verbieten. Dies würde den Streifen für kleinere Regionalflugzeuge reservieren, die geringere Anfluggeschwindigkeiten und kürzere Landestrecken haben, wodurch das Risiko eines Missgeschicks in geringer Höhe verringert würde.
- Infrastrukturänderungen: Einige haben vorgeschlagen, den Abschnitt des New Jersey Turnpike unterhalb der Einflugschneise zu sperren. Angesichts der entscheidenden Rolle der Autobahn im Regionalverkehr wird dies jedoch allgemein als unpraktisch und wirtschaftlich nicht machbar angesehen.
- Verbesserte Instrumentenführung: Der Einbau eines vollständigen ILS könnte eine präzisere vertikale Führung ermöglichen und möglicherweise eine etwas höhere Mindestabstiegshöhe oder konsistentere Anflugwege ermöglichen, obwohl dies keine Lösung für die physische Nähe zur Autobahn darstellt.
Fazit
Der Vorfall der United Airlines am Flughafen Newark ist eine deutliche Erinnerung an die Risiken, die mit einer veralteten Infrastruktur verbunden sind, die nach unterschiedlichen Sicherheitsstandards konzipiert ist. Während die Landebahn 29 weiterhin betrieblich notwendig ist, führt die Kombination aus ihrer kurzen Länge, dem Fehlen einer vollständigen Instrumentenführung und der Nähe zu einer wichtigen Autobahn zu einem inakzeptablen Risikoprofil. Die Regulierungsbehörden müssen nun feststellen, ob Betriebsbeschränkungen für schwere Flugzeuge notwendig sind, um sicherzustellen, dass solche Beinaheunfälle nicht zu katastrophalen Ausfällen eskalieren.


















