United Airlines und ihre Flugbegleitergewerkschaft AFA-CWA werden die Vertragsverhandlungen im März nach einem fünfjährigen Einfrieren der Gehaltserhöhungen voraussichtlich wieder aufnehmen. Obwohl beide Seiten optimistisch sind, eine Einigung zu erzielen, bestehen weiterhin erhebliche Hürden. Die Fluggesellschaft ist bereit, branchenführende Löhne anzubieten, besteht jedoch darauf, dass alle zusätzlichen Gewerkschaftsforderungen Zugeständnisse an anderer Stelle im Vertrag erfordern würden.
Die Pattsituation: Auf den richtigen Zeitpunkt warten?
Jahrelang hat die AFA die Verhandlungen bewusst hinausgezögert und darauf gewartet, dass American Airlines zuerst ihren Flugbegleitervertrag aushandelt. Die Logik war einfach: Ein neuer Vertrag bei American würde der Mannschaft von United die Möglichkeit geben, höhere Löhne und bessere Bedingungen auszuhandeln. Diese Strategie ging jedoch nach hinten los. Ein Wandel im politischen Klima machte es schwieriger, die Unterstützung der Bundesvermittlung für einen möglichen Streik zu sichern.
Die Fluggesellschaft hat darauf hingewiesen, dass sie in ihren Finanzprognosen bereits einen neuen Vertrag berücksichtigt und damit der Wall Street signalisiert, dass ein Deal unvermeidlich sei. Dennoch wurde die erste vorgeschlagene Vereinbarung von den Flugbegleitern mit überwältigender Mehrheit abgelehnt, da sie der Meinung waren, dass ihre Prioritäten nicht angemessen berücksichtigt wurden.
Die Kernthemen: Mehr als nur Geld
Bei dem Streit geht es nicht nur um Geld. Flugbegleiter fordern Verbesserungen in mehreren Schlüsselbereichen:
- Bodenvergütung: Entschädigung für die Wartezeit am Boden zwischen den Flügen.
- Planung: Bessere Ruhezeiten bei Flügen mit roten Augen und vorhersehbarere Zwischenstopp-Benachrichtigungen.
- Layover-Bedingungen: Hochwertigere Hotels während eines Zwischenstopps mit transparenten Standards.
- Reservedienst: Verbesserte Bedingungen für Flugbegleiter in Bereitschaft.
- Vorteile: Verbesserungen der Gesundheits- und Altersvorsorge.
Die Kompromisse: Freizeit vs. Bezahlung
United hat eine Lösung vorgeschlagen, die Grundlohn und andere Vorteile bieten würde, allerdings nur, wenn die Gewerkschaft einer branchenüblichen algorithmischen Planung und einer schrittweisen Reduzierung der unbezahlten „persönlichen Freizeit“ (PTO) zustimmt. Die Fluggesellschaft argumentiert, dass keine andere große US-Fluggesellschaft die gleiche PTO-Struktur anbietet. Durch eine jährliche Kürzung der Zapfwelle um einen kleinen Prozentsatz könnten Mittel für andere Verbesserungen freigesetzt werden, ohne dass die Stundenlöhne gekürzt würden.
Das Fazit: Fünf Jahre Wartezeit
Die aktuelle Situation ist dramatisch. Ein Flugbegleiter im ersten Jahr bei United verdient nur 28,88 US-Dollar pro Stunde, was durchschnittlich weniger als 20 Stunden pro Woche entspricht. Unbezahltes Boarding und Wartezeiten am Flughafen schmälern die tatsächlichen Einnahmen zusätzlich. Mittlerweile verdienen Flugbegleiter von American Airlines im Rahmen eines neueren Vertrags deutlich mehr.
Das Management von United hat deutlich gemacht: Sie sind bereit, die beste Bezahlung anzubieten, aber die Gewerkschaft muss realistisch sein, was Kompromisse angeht. Die Frage ist nun, ob Flugbegleiter die Bedingungen der Fluggesellschaft akzeptieren oder das Risiko eingehen, die Wartezeit auf eine Gehaltserhöhung zu verlängern.
Letztendlich hängt das Ergebnis davon ab, ob beide Seiten eine gemeinsame Basis finden können. Flugbegleiter müssen entscheiden, ob die vorgeschlagenen Zugeständnisse es wert sind, eine längst überfällige Gehaltserhöhung und verbesserte Arbeitsbedingungen zu sichern.
