SWISS, die profitabelste Fluggesellschaft der Lufthansa Group, sieht sich mit einem ungewöhnlichen Personalüberschuss konfrontiert. Das Unternehmen bietet Flugbegleitern nun rund 19.000 US-Dollar für den freiwilligen Rücktritt von ihrer Position an, ein Schritt, der auf betriebliche Ineffizienzen und allgemeinere wirtschaftliche Bedenken zurückzuführen ist.
Ursachen des Überschusses
Die Überbesetzung ist auf zwei Schlüsselfaktoren zurückzuführen: Flugzeuge am Boden bleiben (insbesondere Flugzeuge der A220- und A320-Familie aufgrund von Triebwerksproblemen) und ein Pilotenmangel. Dieses Ungleichgewicht führt dazu, dass SWISS mehr Kabinenpersonal hat, als sie effektiv einsetzen kann, auch wenn die Nachfrage nach Flügen weiterhin hoch ist – die Fluggesellschaft war gezwungen, Flugzeuge per Wet-Lease zu verkaufen, um mithalten zu können.
Trotz der Nachfrage geht die Fluggesellschaft davon aus, dass sie erst 2027 einen ausgeglichenen Personalbestand erreichen wird, eine Verzögerung, die das Ausmaß des Problems unterstreicht.
Kostensenkungsmaßnahmen und Anreize
Die SWISS-Geschäftsführung hat ihre rund 4.500 Flugbegleiter über den notwendigen Personalabbau informiert. Die Priorität der Fluggesellschaft sind Kosteneinsparungen angesichts globaler Unsicherheit, einschließlich geopolitischer Instabilität (insbesondere des Konflikts mit dem Iran) und steigender Ölpreise.
Das Anreizprogramm bietet Vollzeit-Flugbegleitern, die bis August 2026 kündigen, 15.000 Schweizer Franken (ca. 19.000 USD). Diese freiwillige Abfindung ist der erste Schritt in einem mehrstufigen Ansatz.
Mögliche Eskalation bis hin zu Entlassungen
Sollten freiwillige Ausreisen keinen ausreichenden Erfolg bringen, ist SWISS bereit, drastischere Massnahmen zu ergreifen. Dazu gehören:
- Längerer unbezahlter Urlaub in Zeiten geringer Nachfrage
- Reduzierte Arbeitszeit
- Verlängerter Mutterschaftsurlaub
Als letztes Mittel sind Zwangskündigungen nicht ausgeschlossen. Die Fluggesellschaft strebt einen „schnellen, effektiven und gezielten“ Personalabbau an. Die Fluggesellschaft geht davon aus, bis zum nächsten Jahr durch Flottenwachstum, Fluktuation und weitere Pilotenrekrutierung einen ausgeglichenen Personalbestand zu erreichen.
Warum das wichtig ist
Die Situation von SWISS ist nicht einzigartig. Weltweit stehen Fluggesellschaften aufgrund der wirtschaftlichen Volatilität unter dem Druck, ihre Kosten zu senken. Dieser Schritt signalisiert einen breiteren Trend: Fluggesellschaften legen Wert auf finanzielle Stabilität, auch wenn dies einen Personalabbau bedeutet. Die Strategie der Fluggesellschaft zeigt auch, wie junge Flugbegleiter, die weniger verdienen, im Hinblick auf Kosteneinsparungen priorisiert werden.
Die Fluggesellschaft ist bei weitem nicht die Einzige, die einen Personalabbau in Betracht zieht. Ähnliche Maßnahmen dürften in den kommenden Monaten in der gesamten Branche zu beobachten sein.
Die Situation verdeutlicht die Fragilität des Flugbetriebs, bei dem selbst hochprofitable Unternehmen aufgrund externer Faktoren gezwungen sein können, schwierige Entscheidungen zu treffen.


















